oder


oder
oder ['o:dɐ] <Konj.>:
1. verbindet Satzteile, Satzglieder, die alternative Möglichkeiten darstellen, von denen eine infrage kommt: einer muss die Arbeit machen: du oder dein Bruder; der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer (= einer von beiden) muss Abstriche machen; wohnt sie in Hamburg oder in Lübeck?
2.
a) verbindet Sätze, Satzglieder, die Möglichkeiten für eine bestimmte Entscheidung anbieten: das Papier kann weiß oder rot oder [auch] blau sein; fährst du heute oder morgen?; ich werde sie anrufen oder ihr schreiben; wir spielen jetzt, oder ich gehe nach Hause.
b) reiht Möglichkeiten, die zur Wahl stehen, für etwas bereitstehen, aneinander: Sie können Herrn X oder [auch] Frau Y nach dem Preis fragen; der Direktor oder sein Stellvertreter (= beide) können/(besser:) kann Verträge unterzeichnen.
Syn.: beziehungsweise.
c) leitet einen Satz ein, der enthält, was eintritt, wenn das zuvor Genannte nicht gemacht wird oder nicht eintritt; sonst, andernfalls:
komm jetzt endlich, oder ich gehe allein (= sonst gehe ich allein)!; <in Verknüpfung mit einem vorausgehenden »entweder«> entweder du kommst jetzt, oder ich gehe allein (= andernfalls gehe ich allein).
d) leitet eine Art Apposition, eine Zweitbezeichnung für das vorher Genannte, ein; auch … genannt; wie man auch sagen könnte:
die Anemonen oder Buschwindröschen gehören zu den Hahnenfußgewächsen; /bei Kunstwerken/: Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe; Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie.
3. <elliptisch>
a) als provokative, einen ganzen Satz vertretende Scheinfrage, die nur die vom Sprecher gemachte Aussage bekräftigen soll: wir leben doch hier nicht in einer Diktatur, oder? (erwartete Antwort: nein); dass ich viel Arbeit habe, weißt du ja. Oder? (erwartete Antwort: ja).
b) als [rhetorische] Frage im Anschluss an eine selbst geäußerte Vermutung, Feststellung, deren Richtigkeit der Sprecher bestätigt haben möchte; das ist doch so, nicht wahr?; etwa nicht?:
du gehst doch auch bald in Urlaub, oder?
c) steht an einer Stelle des Satzes – in mündlicher Rede –, an der der Sprecher sich bzw. einen Versprecher auf indirekte Weise korrigieren will: ich habe das ja gewusst oder [besser (gesagt)/vielmehr] geahnt; unsere gemeinsamen Gespräche sollen dazu beitragen, Defizite zu verbessern oder zu beseitigen.

* * *

oder 〈Konj.〉 eins von beiden, eins von mehreren, wenn nicht dies, dann das, andernfalls ● entweder du \oder ich; der eine \oder der andere; dieser \oder jener 〈umg.〉 irgendeiner, mancher ● möchten Sie lieber Limonade \oder Wein? ● kommst du mit, \oder bleibst du noch?; entweder ich schreibe dir, \oder ich komme; willst du, \oder willst du nicht? ● zwei- \oder dreimal; soll die Wolle grün \oder blau sein?; hell \oder dunkel ● \oder aber, wir machen es ganz anders 〈umg.; verstärkend〉; du kannst dies haben \oder auch das 〈verstärkend〉; entscheide dich, entweder - \oder!; jetzt \oder nie!; rechts \oder links?; heute \oder morgen; willst du? ja \oder nein!; es ist doch so, \oder (etwa) nicht?

* * *

oder <Konj.> [mhd. oder, ahd. odar für mhd. od(e), ahd. odo (das -r unter Einfluss von 1aber, weder), verdunkelte Zus., 2. Bestandteil das zugrunde liegende Demonstrativpron. 1der]:
1.
a) drückt aus, dass von zwei od. mehreren Möglichkeiten jeweils nur eine als Tatsache zutrifft (ausschließend; vgl. entweder … oder) (Abk.: od.):
wohnt er in Hamburg o. in Lübeck?;
b) drückt aus, dass von zwei oder mehreren Möglichkeiten mindestens eine als Tatsache zutrifft (einschließend) (Abk.: od.):
beliebt sind/ist immer noch [beispielsweise] Fangen, Verstecken o. Fußball;
c) verbindet zwei od. mehrere Möglichkeiten, die zur Wahl stehen, wobei man sich für eine einzige davon entscheiden muss (ausschließend) (Abk.: od.):
fährst du heute o. morgen?;
ich werde sie anrufen o. ihr schreiben;
ich o. [aber] mein Vertreter wird an der Sitzung teilnehmen;
sollst du o. ich zu ihm kommen?;
d) verbindet zwei od. mehrere Möglichkeiten, die zur Wahl stehen (einschließend) (Abk.: od.):
für den Urlaub könnten wir auch Spiele o. Bücher einpacken;
e) auch … genannt; wie man auch sagen könnte (in Titeln; Abk.: od.)
Don Juan o. die Liebe zur Geometrie.
2. stellt eine vorangegangene Aussage infrage; drückt aus, dass auch eine Variante möglich sein kann:
er hieß Schymanski o. so [ähnlich];
es war ein Betrag von 100 Euro o. so (nicht viel mehr od. weniger als 100 Euro).
3. drückt eine mögliche Konsequenz aus, die als Folge eines bestimmten Verhaltens, Geschehens eintreten kann; andernfalls, sonst:
du kommst jetzt mit, o. es passiert etwas!
4.
a) drückt bei [rhetorischen] Fragen aus, dass ein Einwand des Gesprächspartners zwar möglich ist, aber nicht erwartet wird od. nicht ernst gemeint sein kann:
natürlich hat er es getan, o. glaubst du es etwa nicht?;
b) <nachgestellt> (ugs.) drückt bei [rhetorischen] Fragen aus, dass ein Einwand des Gesprächspartners möglich ist, eigentlich aber eine Zustimmung erwartet wird:
du gehst doch mit zum Rudern, o.?

* * *

I
Oder,
 
Or.
II
Oder
 
die,  
 1) Nebenfluss der Rhume in Niedersachsen, 54 km lang, entspringt auf dem Brockenfeld im Harz, mündet in Katlenburg-Lindau (Kreis Northeim). Im Oberlauf wurde 1714-21 der Oderteich (Fassungsvermögen 1,67 Mio. m3) angelegt. 1931-34 entstand oberhalb von Bad Lauterberg im Harz die Odertalsperre für Hochwasserschutz, Energiegewinnung und Wassersport (Speicherraum 30,6 Mio. m3).
 
 2) tschechisch und polnisch Ọdra, Strom in Mitteleuropa, bis zur Mündung in die Ostsee bei Swinemünde rd. 910 km, bis zur Einmündung in das Papenwasser (Flusserweiterung vor dem Stettiner Haff) 854 km lang, davon 120 km in der Tschechischen Republik, 162 km Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen, sonst in Polen; auf 733 km Länge schiffbar; Einzugsgebiet 119 000 km2. - Die Oder entspringt 634 m über dem Meeresspiegel in der Tschechischen Republik im Odergebirge, 25 km östlich von Olmütz. Sie durchfließt die Mährische Pforte bei Ostrau nach Nordosten, wendet sich ab Oderberg in nordwestlicher Richtung, durchfließt Schlesien, nimmt nach Aufnahme der Lausitzer Neiße als Grenzfluss nördliche Richtung an und fließt am Oderbruch entlang. Im Unterlauf teilt sich die Oder in mehrere Arme, die sich alle im Papenwasser wieder vereinen; Hauptarme sind die Westoder (zunächst Grenzfluss, dann auf polnischem Gebiet), die ab Stettin wieder Oder heißt, und die Ostoder (Große Reglitz), über die hinweg sich seit 1975 das Stadtgebiet von Stettin nach Osten erstreckt (Eingemeindungen). Zwischen Ost- und Westoder besteht oberhalb von Stettin eine schiffbare Querverbindung. Vor Erreichen des Papenwassers durchfließt die Ostoder den Dammschen See. Das Papenwasser öffnet sich nach Norden zum Stettiner Haff, von dem die Mündungsarme Dievenow (polnisch Dziwna), Swine und Peene die Verbindung zur Ostsee herstellen. Wichtigste Nebenflüsse der Oder sind von links Oppa, Glatzer Neiße, Weistritz, Katzbach, Bober, Lausitzer Neiße, von rechts Olsa, Malapane, Stober, Bartsch und als wasserreichster Nebenfluss die Warthe mit der Netze.
 
Auf die Oder entfallen 85 % der Binnenschifftransporte Polens. Die ausgeprägten Wasserstandsschwankungen (mittlere Wasserführung 573 m3/s, mittleres Hochwasser bei Schneeschmelze 1 430 m3/s, mittleres Niedrigwasser im Sommer 205 m3/s) und jährlich rd. 40 Tage Eissperre mindern die Nutzbarkeit des Stromes. An den Nebenflüssen wurden Talsperren zur Regulierung des Wasserstandes sowie zur Energiegewinnung errichtet. Die Regulierungsarbeiten an der Oder im 19. Jahrhundert verkürzten den Lauf um 154 km. Zur Kanalisierung wurden 22 Staustufen angelegt. Die Oder hat über den Gleiwitzkanal Verbindung zum Oberschlesischen Industriegebiet, über Oder-Spree-Kanal und Oder-Havel-Kanal zur Elbe, über Warthe, Netze und Bromberger Kanal zur Weichsel. Auf 60 km entlang der unteren Oder in Brandenburg entstand in einer naturnahen Flussauenlandschaft der 10 500 ha große Nationalpark Unteres Odertal. Ein verheerendes Hochwasser im Juli/August 1997 führte in der Tschechischen Republik, in Polen und im Bundesland Brandenburg zu beträchtlichen Schäden (Oderbruch).
 
 

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Oder, die; -: Fluss im östlichen Mitteleuropa.

Universal-Lexikon. 2012.


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